OECD · PISA 2025 · Datenstand September 2026

Österreich im internationalen PISA‑Vergleich

Interaktives Dashboard mit allen 91 in der OECD-Ergebnistabelle ausgewiesenen Bildungssystemen. Jeder Tabellenwert enthält einen Mini‑Balken, damit Unterschiede unmittelbar visuell vergleichbar werden.

760.000+ getestete Jugendliche · 91 Länder/Volkswirtschaften · Schwerpunkt Naturwissenschaften
Das Wichtigste zuerst · Soziale Herkunft

In Österreich hängt der Bildungserfolg stärker vom Elternhaus ab als im OECD-Schnitt

PISA misst die soziale Herkunft mit einem Index aus Bildung und Beruf der Eltern und dem häuslichen Besitz (ESCS). Wie stark Leistung davon abhängt, nennt die OECD Bildungsgerechtigkeit. Alle Zahlen: Naturwissenschaften, PISA 2025, Österreich im Vergleich mit dem OECD-Schnitt.

Abstand zwischen dem obersten und dem untersten Sozialviertel 98 Punkte OECD-Schnitt: 85 Punkte Nach der Faustregel dieser Seite (20 Punkte ≈ ein Lernjahr) rund fünf Lernjahre.
Anteil der Leistungsunterschiede, den die Herkunft erklärt 14 % OECD-Schnitt: 12 % · Finnland 9 % · Japan 8 %
Benachteiligte, die trotzdem zum besten Viertel gehören 9,9 % OECD-Schnitt: 11,9 % · Kanada 14,6 % · Finnland 13,5 %

Wie weit liegen arm und reich auseinander?

Mittlere Punkte der Jugendlichen aus dem untersten und dem obersten Viertel der sozialen Herkunft im eigenen Land. Je länger die Hantel, desto größer die Kluft. Rechts der Anteil der Unterschiede, den die Herkunft erklärt.

Abstand zwischen benachteiligten und begünstigten 15-Jährigen in Naturwissenschaften, PISA 2025 Für 13 Bildungssysteme: mittlere Punkte des untersten und obersten sozialen Viertels. Österreich: 449 und 547, Abstand 98; OECD-Schnitt 446 und 531, Abstand 85. 440 460 480 500 520 540 560 580 Abstand erklärt Estland 68 Punkte 9,6 % Korea 69 Punkte 7,7 % Japan 71 Punkte 7,6 % Irland 72 Punkte 9,6 % Finnland 78 Punkte 9,0 % Vereinigtes Königreich 80 Punkte 8,5 % Polen 82 Punkte 11,3 % OECD-Schnitt 85 Punkte 12,0 % Schweden 92 Punkte 12,0 % Österreich 98 Punkte 14,0 % Schweiz 99 Punkte 13,6 % Frankreich 100 Punkte 13,5 % Deutschland 125 Punkte 19,0 %

Österreichs Kluft ist größer als in Estland, Finnland, Japan oder Polen und etwa so groß wie in der Schweiz und Frankreich. Deutschland liegt noch deutlich darüber.

Von 100 Fünfzehnjährigen erreichen das Mindestniveau nicht …

aus dem untersten Sozialviertel: 35
aus dem obersten Sozialviertel: 9

Mindestniveau = Kompetenzstufe 2 in Naturwissenschaften. Das Risiko ist für benachteiligte Jugendliche fast viermal so hoch.

Migration ist vor allem eine soziale Frage

Rückstand von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
64 Punkte
… bei gleicher sozialer Herkunft
38 Punkte
… bei gleicher Herkunft und gleicher Sprache zu Hause
14 Punkte

Fast die Hälfte der Jugendlichen mit Migrationshintergrund (48 %) gehört in Österreich zum untersten Sozialviertel, im OECD-Schnitt sind es 41 %. Ein großer Teil des „Migrationsrückstands“ ist also ein Herkunfts- und Sprachrückstand.

Quelle: OECD (2026), PISA 2025 Results (Volume I), Kapitel 2, Abbildungen I.2.10, I.2.12, I.2.15, I.2.16, I.2.21 und I.2.23; Daten: stat.link/xgs41b. Werte gerundet. Ein Teil der Fünfzehnjährigen ist nicht in der PISA-Stichprobe: in Österreich rund 20 %, im OECD-Schnitt rund 12 %. Wenn darunter überdurchschnittlich viele Benachteiligte sind, unterschätzen die Zahlen die Kluft eher.

Österreich 2025

Österreich liegt in allen drei klassischen Domänen über dem OECD‑Mittel. Die Differenz ist in Naturwissenschaften am größten; Mathematik und Lesen sind gegenüber 2022 deutlich zurückgegangen.

Naturwissenschaften
497
+15 gegenüber OECD (482) · +6 gegenüber 2022
Mathematik
477
+14 gegenüber OECD (463) · −10 gegenüber 2022
Lesen
467
+6 gegenüber OECD (461) · −13 gegenüber 2022
Computational Problem Solving
509
+9 gegenüber OECD (500)

Wie groß sind ausgewählte Abstände?

Österreich – OECD, Science+15
Österreich – Deutschland, Science+11
Schweiz – Österreich, Mathematik+22
Singapur – Österreich, Science+63

Leseschlüssel

20 PISA‑Punkte entsprechen im Mittel ungefähr einem typischen Lernjahr mit 15.10 Punkte sind damit grob „ein halbes Lernjahr“. Diese Umrechnung ist eine Orientierung für Größenordnungen – kein mechanischer Umrechner für Länderranglisten.

Die OECD warnt ausdrücklich davor, diese Faustregel mechanisch auf Länderunterschiede anzuwenden.

Interaktiver Leistungsvergleich

Standardmäßig erscheinen Österreich, OECD, DACH‑Nachbarn und ausgewählte Referenzsysteme. Mit „Alle 91“ wird der Gesamtüberblick eingeblendet.

300400500620

Die Balken verwenden über die klassischen Domänen dieselbe 300–620‑Punkte‑Skala; CPS beginnt wegen Kenia bei 275. Orange = Österreich, Grau = OECD‑Mittel.

Vergleichstabelle

Jeder numerische Wert hat direkt unter der Zahl einen proportionalen Mini‑Balken. So lässt sich auch die vollständige Tabelle schnell „lesen“. Per Spaltenkopf sortierbar und per Suche filterbar.

Land/System Science Mathematik Lesen Comp. Problem Solving Ø klassisch

* OECD-Hinweis: Bei mit Stern markierten Systemen wurde mindestens ein PISA‑Stichprobenstandard nicht erfüllt; Ergebnisse daher mit besonderer Vorsicht interpretieren. „—“ = in Tabelle I.1 kein Wert berichtet. „Ø klassisch“ ist hier nur ein Dashboard-Hilfswert aus Science, Mathematik und Lesen und kein offizieller OECD-Indikator.

Was bedeuten 5, 10, 20 oder 40 Punkte?

PISA‑Punkte sind keine Prozentpunkte. Die OECD nennt aber belastbare Bezugspunkte, mit denen sich Größenordnungen anschaulicher machen lassen.

10 Punkte

Effektgröße ungefähr d = 0,10. Als Lernzuwachs‑Faustregel grob ein halbes typisches Lernjahr eines 15‑Jährigen.

20 Punkte

OECD‑Benchmark: ungefähr der durchschnittliche Lernzuwachs eines Jahres um das Alter 15.

≈ 62–75

Ungefähr die Breite einer ganzen Kompetenzstufe: Mathematik ≈62, Lesen ≈73, Science ≈75 Punkte.

95%-KI

Kleine Punktabstände sind nicht automatisch „echte“ Unterschiede. Konfidenzintervalle und Stichproben-/Messfehler müssen berücksichtigt werden.

Differenz‑Rechner

10 Punkte
Differenz einstellen
≈ 0,5 Lernjahre

Wichtig: Die OECD empfiehlt diese Umrechnung vor allem zur Einordnung von Veränderungen über die Zeit. Für direkte Länderunterschiede ist sie nur eine anschauliche Größenordnung, weil Lernzuwächse je nach Land, Fach und Alter variieren.

Anschauliche Beispiele aus Österreich

VergleichDifferenzGrobe GrößenordnungEinordnung

2022 → 2025: jüngster Trend

Österreich, Deutschland, Schweiz und OECD im direkten Zeitvergleich.

Für Zeitvergleiche ist neben Stichproben- und Messfehlern zusätzlich der sogenannte Link Error relevant.

Langfristiger Verlauf 2000–2025

Jede Linie ist ein Bildungssystem über alle PISA‑Zyklen hinweg. Österreich ist durchgehend hervorgehoben, der OECD‑Schnitt gestrichelt. Länder in der Liste an‑ und abwählen, um Vergleiche zu bilden – so wird sichtbar, ob eine Bewegung länderspezifisch ist oder dem allgemeinen Trend folgt.

Länder auswählen (0 aktiv)

Datenlage: Werte 2000–2018 aus der Weltbank‑Bildungsdatenbank (Indikatoren LO.PISA.MAT/REA/SCI, Quelle OECD), Werte 2025 aus der oben dargestellten Ergebnisrunde. Der Zyklus 2022 ist in dieser Langzeitreihe nicht enthalten – die Strecke 2018→2025 ist deshalb gestrichelt; der direkte Vergleich 2022→2025 steht im Abschnitt darüber. Gezeigt werden die 65 Systeme, für die eine durchgehende Reihe und ein aktueller Wert vorliegen. Nicht aufgenommen: China (wechselnde Teilnehmerregionen je Zyklus) und die Ukraine (2025 nur 17 von 27 Regionen) – beides wäre als Zeitreihe nicht vergleichbar. Zeitvergleiche über Zyklen hinweg unterliegen zusätzlich dem Link Error [K6].

Kritische Einordnung – mit Quellen

Die folgenden Punkte sind keine pauschale „PISA-Kritik“, sondern methodische Grenzen und Interpretationsregeln, die sich aus OECD-Dokumentationen sowie ergänzend aus peer-reviewter Forschung ableiten lassen. Die Quellen stehen jeweils direkt am Punkt.

1. Mittelwerte sind keine „Schulqualität“ in einer Zahl

Der PISA-Mittelwert beschreibt die geschätzte Leistung der 15-jährigen Zielpopulation eines Bildungssystems in einer bestimmten Domäne. Er ist kein direkter Messwert für Unterrichts- oder Schulqualität. Die OECD kombiniert Leistungsdaten deshalb mit Kontextinformationen und berichtet zusätzlich Verteilungen, Kompetenzstufen und Subgruppen. Für Systemdiagnosen sind diese Größen oft informativer als ein einzelner Mittelwert.

Quellen: OECD, PISA 2025 Assessment and Analytical Framework, Kap. 1; OECD, PISA 2025 Results Vol. I, Reader’s Guide. [K1] [K2]

2. Rangplätze übertreiben die Präzision

PISA-Werte beruhen auf Stichproben und auf einer Auswahl von Testaufgaben. Deshalb entstehen Stichproben- und Messfehler. Kleine Punktabstände können statistisch nicht signifikant sein. Die OECD berechnet ausdrücklich Konfidenzintervalle für Mittelwerte und sogar Rangbereiche („range of ranks“). Ein exakter Rang wie „Platz 14“ suggeriert daher häufig mehr Genauigkeit, als die Daten hergeben.

Quelle: OECD, PISA 2025 Results Vol. I, Reader’s Guide und Annex A3 „Range of ranks“. [K2]

3. Korrelation ist keine Kausalität

PISA ist grundsätzlich eine Querschnittsstudie. Beziehungen zwischen Leistung und sozialem Status, Motivation, Mediennutzung, Schulklima oder anderen Kontextvariablen können daher nicht ohne Weiteres kausal interpretiert werden. Reverse Causality, unbeobachtete Drittvariablen und Selektionsprozesse bleiben mögliche Erklärungen.

Quellen: Das OECD-Framework weist wegen des Querschnittsdesigns ausdrücklich darauf hin, dass Variablen nicht eindeutig als „Input“ oder „Outcome“ zugeordnet werden können. Ein OECD-Methodenpapier diskutiert explizit die Grenzen kausaler Schlussfolgerungen aus PISA-Daten. [K1] [K3]

4. Internationale und kulturelle Vergleichbarkeit ist anspruchsvoll

PISA investiert erheblich in Übersetzung, Doppelübersetzung, Verifikation, standardisierte Durchführung und psychometrische Prüfungen. Dennoch hält die OECD selbst fest, dass bei komplexen Kontextkonstrukten eine vollständige Vergleichbarkeit zwischen Ländern und Subpopulationen nicht immer garantiert werden kann. Unterschiede in Antwortstilen, kulturellen Bedeutungen und Testkontexten bleiben deshalb bei der Interpretation relevant.

Quellen: OECD, PISA 2022 Results Vol. V, „Cross-national and cross-cultural comparability“; OECD, Annex „Quality assurance“. [K4] [K5]

5. PISA misst „Literacy“, nicht die Erfüllung nationaler Lehrpläne

PISA fragt bewusst nicht primär ab, ob Schülerinnen und Schüler einen bestimmten nationalen Lehrplan reproduzieren können. Gemessen wird, ob 15-Jährige Wissen anwenden, extrapolieren, analysieren und in neuen Situationen nutzen können. Ein gutes oder schwaches PISA-Ergebnis ist daher nicht identisch mit einer Bewertung der Lehrplanerfüllung.

Quelle: OECD, PISA 2025 Assessment and Analytical Framework: Definition und Begründung des Literacy-Ansatzes. [K1]

6. „20 Punkte = ein Lernjahr“ ist eine Orientierung, kein Naturgesetz

Die OECD verwendet rund 20 Punkte als internationalen Orientierungswert für den typischen Leistungszuwachs eines 15-Jährigen innerhalb eines Jahres. Dieser Wert variiert jedoch nach Fach, Alter und Bildungssystem. Deshalb sollte man nicht formulieren: „Land A ist exakt ein Schuljahr weiter als Land B“. Sinnvoll ist die Aussage nur als Größenordnung.

Quelle: OECD, PISA 2025 Results Vol. I, Box zur Interpretation von Punktdifferenzen und Lernzuwächsen. [K2]

7. Zeitvergleiche enthalten zusätzliche Unsicherheit

Bei Trends zwischen PISA-Zyklen kommt zur Stichproben- und Messunsicherheit ein sogenannter Link Error: Die Skalen verschiedener Erhebungsjahre werden über gemeinsame Aufgaben statistisch verbunden. Die OECD weist diesen Fehler ausdrücklich aus. Kleine Veränderungen zwischen zwei Erhebungen dürfen deshalb nicht allein anhand der Differenz der Punktwerte beurteilt werden.

Quellen: OECD, Reader’s Guide / technische Anhänge zu PISA 2022 und 2025. [K2] [K6]

8. Testmotivation kann die gemessene Leistung beeinflussen

PISA ist für die einzelnen Jugendlichen typischerweise ein Low-Stakes-Test: Das persönliche Ergebnis hat keine unmittelbare Zeugnis- oder Abschlussfolge. Forschung zeigt, dass Testanstrengung mit PISA-Leistung zusammenhängt. Eine peer-reviewte schwedische Studie zu PISA 2018 fand auch nach Kontrolle nationaler High-Stakes-Testleistungen einen eigenständigen Zusammenhang zwischen Testanstrengung und PISA-Ergebnis; Jugendliche mit geringer Testanstrengung unterschätzten ihre Leistung im Mittel merklich.

Quelle: Learning and Individual Differences 122 (2025), 102722, „The issue of test-taking motivation in low- and high-stakes tests: are students underachieving in PISA?“, DOI 10.1016/j.lindif.2025.102722. [K7]

Quellen

Primärquellen der OECD sowie eine ergänzende peer-reviewte Studie. Das Dashboard ist eine eigenständige Aufbereitung und keine offizielle OECD-Darstellung.

OECD (2026): PISA 2025 Results (Volume I): Future‑Ready Students.

Ergebnistabellen, Kompetenzstufen, Signifikanz, Konfidenzintervalle, Rangbereiche, Punktinterpretation und Lernzuwachs. DOI: 10.1787/73451bc5-en.

OECD (2026): PISA 2025 Assessment and Analytical Framework.

Testkonstruktion, Literacy-Konzept, Kontextvariablen, Querschnittslogik und Domänen. DOI: 10.1787/86c36975-en.

OECD Education GPS – PISA 2025.

Länderprofile, Detailindikatoren und interaktive Vergleiche.

Quellen zu den methodischen Kritikpunkten

[K1] OECD (2026): PISA 2025 Assessment and Analytical Framework.

Kap. 1 sowie Questionnaire Framework: Zweck von PISA, Literacy-Konzept und Grenzen der eindeutigen Input-/Outcome-Zuordnung bei Querschnittsdaten. DOI: 10.1787/86c36975-en.

[K2] OECD (2026): PISA 2025 Results (Volume I), Reader’s Guide & Annex A3.

Offizielle Erläuterungen zu Stichprobenfehler, Messfehler, statistischer Signifikanz, Konfidenzintervallen, Rangbereichen, Kompetenzstufen und Punktdifferenzen. DOI: 10.1787/73451bc5-en.

[K3] OECD (2012): Parental Involvement in Selected PISA Countries and Economies, EDU/WKP(2012)10.

Methodenanhang „Sampling and analytical limitations“: explizite Diskussion der Grenzen kausaler Schlussfolgerungen aus PISA-Querschnittsdaten, inklusive reverse causality und omitted variable bias.

[K4] OECD (2024): PISA 2022 Results, Volume V – Technical notes.

Abschnitt „Cross-national and cross-cultural comparability of the PISA data“: Trotz umfangreicher Standardisierung kann vollständige Vergleichbarkeit bei komplexen Konstrukten nicht immer garantiert werden.

[K5] OECD (2023/24): PISA 2022 Results, Annex A4 – Quality assurance.

Dokumentiert Doppelübersetzung, sprachliche Verifikation, Standardisierung der Testdurchführung, Feldkontrollen und Qualitätsprüfung.

[K6] OECD (2023): PISA 2022 Results, Volume II – Reader’s Guide / Technical Notes.

Erläutert den zusätzlichen „link error“ bei Vergleichen von Punktwerten über PISA-Zyklen hinweg.

[K7] Learning and Individual Differences 122 (2025), 102722.

The issue of test-taking motivation in low- and high-stakes tests: are students underachieving in PISA? Peer-reviewte Analyse schwedischer PISA-2018-Daten; Testanstrengung war auch bei Kontrolle nationaler Testergebnisse mit der PISA-Leistung verbunden. DOI: 10.1016/j.lindif.2025.102722.